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The Mind of Margaret – Systemvorstellung

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Fällt deine Spielleitung aus? Möchtest du spontan etwas spielen, aber hast nichts vorbereitet? Sind deine Freund*innen Rollenspielneulinge und du möchtest ihnen in 2-3 Stunden zeigen, was ein Rollenspiel ist? Oder möchtest du einfach mal ein Erzählspiel ausprobieren? The Mind of Margaret ist die Antwort! Ein simples, kostenloses Spiel mit unerschöpflichem Wiederspielwert.

Worum geht’s?

Man erzählt gemeinsam die Geschichte der Hauptperson – in Form eines “Rollenspiels über Emotionen”. “Emotionen” meint Gefühle oder Charaktereigenschaften, die in uns miteinander ringen, wenn wir vor wegweisenden Entscheidungen stehen. Vielleicht kennst du den Film “Alles steht Kopf” – so in der Art. Das Setting ist hier ganz egal – ein Wikinger auf Abenteuerfahrt, eine Dame auf dem Weg nach Hawaii, ein Rentner mit dem Traum seine Rockband wieder zusammenzubringen, eine Finanzbeamte auf der Suche nach Ruhm, ein Zauberlehrling, der einem geheimen Artefakt nachgeht, eine Aerobic-Lehrerin mit Ambitionen im Show-Biz oder oder oder… Es liegt allein an dir und deinen Mitspielenden, wo, wann, was passiert. Und ja, alle aufgezählten Geschichten habe ich mit Leuten gespielt – und nie hatten wir uns vorher dazu ausgetauscht.

Warum ich das Spiel so mag?

Weil es sehr flexibel ist und immer wieder Überraschungen bereithält. Die Hauptperson formt sich mit jeder gespielten Szene mehr und mehr. Was im Spielaufbau erst recht unscharf skizziert wird, entwickelt sich über den Spielverlauf zu einer Person mit Ecken und Kanten. Je nach Stimmung kann man das Setting anpassen und auch die Spielzeit variieren, je nach Energie am Tisch.

Das Beispiel des Winkinger-Außenseiters Lars Svensson, der sich durch seine Emotionen Neid, Stolz, Angst und Liebe definiert.

Im Folgenden werde ich knapp das Spiel erklären, aber dabei viele Details auslassen, die ihr in der Spielanleitung findet. Dieser Artikel soll nur als Übersicht dienen und zum Spielen anregen.

Vorbereitung? Nicht nötig!

Das Spiel benötigt keine Vorbereitung und ist schnell erklärt. Im Grunde kann man anfangen, die Anleitung zu lesen – zack! – schon ist man mitten im Spiel. Man benötigt nur ein paar einfache Dinge: ein paar Zettel oder Karteikarten, ein paar Stifte und zwei verschiedenfarbige sechsseitige Würfel pro Person.

Wie läuft das Spiel ab? 

  • Zu Beginn definiert man grob, wer die Hauptperson ist und welches Setting man gern spielen möchte. Es werden grundlegende Eigenschaften festgelegt, wie Alter, Beruf, Aussehen, so dass ein erstes Bild entsteht. 
  • Im nächsten Schritt wird pro Spieler*in eine Emotion festgelegt, welche die Person ausmachen. Der Begriff “Emotion” kann hierbei weit gefasst werden.
  • Sobald diese Emotionen festgelegt sind, definiert man ein Ziel der Hauptperson. Dazu kommen zwei Hindernisse oder Umstände, die es schwer machen, das Ziel zu erreichen.
  • Im Hauptteil des Spiels spielt ihr Szenen aus und findet so heraus, ob die Hauptperson ihr Ziel erreicht oder nicht.

Wie funktionieren Szenen?

Ein*e Spieler*in startet damit, eine Szene einzuführen. Dabei hat sie viele Freiheiten, sie legt fest wo und wann die Szene stattfindet und was gerade in der Welt passiert. Irgendwann kommt es dann aber zu einem Dilemma – einer Situation, in der die Hauptperson eine wegweisende Entscheidung treffen muss. Die erzählende Person legt fest, was die (genau!) zwei Optionen sind. Zum Beispiel: Weglaufen oder sich der Gefahr stellen. Helfen oder Hilfe unterlassen. Lügen oder die Wahrheit sagen. Ja oder Nein. 

Dieses Dilemma soll die Geschichte nach vorne bringen, näher zum Ziel hin oder weiter davon weg. Deshalb sollte das Dilemma bedeutend sein und die Geschichte an eine Weggabelung führen.

Dann nehmen sich alle reihum eine Emotion aus der Mitte. Jede*r drückt die Perspektive der ausgewählten Emotion zur Entscheidung in einem kurzen Satz aus, Option A oder B. Dann geht es in die Diskussion, welche Option die Person wählen sollte..

Ein Beispiel für ein Dilemma und eine Diskussion

Emma ist auf dem Weg zu einem Jobinterview, doch sie ist viel zu spät. Sie könnte noch zeitig ankommen, wenn sie eine teure Taxifahrt in Kauf nehmen würde. Sie braucht diesen Job unbedingt, denn sie hat starken finanziellen Druck. Da sieht sie, wie einem vorbeigehenden Mann ein 100€-Schein aus der Tasche fällt. Sie hebt den Schein auf und hat zwei Optionen: Ruft sie dem Mann nach und informiert ihn? Oder steckt sie den Schein ein?

Wie entscheidet sich Emma? Vielleicht ist diese Situation gar keine, in der sie lange überlegen muss, und stellt deshalb kein Dilemma dar. Doch möglicherweise geht in ihrem Kopf eine Diskussion los, zwischen Verantwortungsbewusstsein, Habgier, Sicherheitsgefühl und Angst.

Verantwortungsbewusstsein und Habgier würden sicherlich in diesem Beispiel entgegengesetzte Standpunkte haben. Sicherheitsgefühl würde sich mit dem Geld wohler fühlen, aber findet nach Hinweis von Verantwortungsbewusstsein den Weg problematisch, weil man erwischt werden könnte: so ein Stress mit der Polizei passt Sicherheitsgefühl nun wirklich nicht in den Kram. Angst möchte ebenfalls auf keinen Fall erwischt werden und würde am liebsten gleich dem Mann hinterher  rufen –  bis Habgier ihr eröffnet, dass die 100€ ihr ein pünktliches Erscheinen beim Jobinterview ermöglichen. Das Argument zieht auch bei Sicherheitsgefühl, denn ein neuer Job würde ihm guttun. Vielleicht lässt sich sogar Verantwortungsbewusstsein dazu verleiten, den Geldschein nicht abgeben zu wollen, weil es verantwortungsvoll wäre, sich um einen neuen Job zu bemühen. Und so weiter – du verstehst schon!

Die Person, die die Szene begonnen hat, bestimmt auch, wann die Diskussion vorbei ist. Dann legt sie fest, welche Würfelfarbe für welche Option steht. Hier kommen nun die verschiedenfarbigen W6 ins Spiel. Jede*r wählt heimlich den passenden Würfel für die gewählte Option aus und es wird gleichzeitig gewürfelt. Die Person mit dem höchsten Ergebnis darf dann die Szene zu Ende erzählen, ganz im Sinne der vorher repräsentierten Emotion. Nach einer kurzen Abfrage, wie die anderen Emotionen diesen Ablauf nun verdauen, geht es in die nächste Szene.

Das Ganze wiederholt man so oft man mag. Es ist nur wichtig, vor der letzten Szene auch festzulegen, dass es die Letzte sein soll. Das erlaubt euch nochmal ein wirklich bedeutsames Dilemma mit weitreichenden Folgen auszuspielen.

Wenn du Interesse an dem Spiel hast, lad es dir einfach bei itch herunter – es ist gratis: The Mind of Margaret by cluckyb. Außerdem gibt es eine schön gestaltete ausgedruckte Variante des Spiels in unserer Rollenspielbibliothek. Schau einfach mal in den Ordner mit den ausgedruckten Spielen (ein Ordner wo groß “itch Spiele” drauf steht)!

Vielen Dank an Melanie, Marius und Michael für ihre Hilfe im Schreibprozess dieses Artikels!